Reanimation Herz-Lungen-Wiederbelebung
Wenn es um Leben und Tod geht, ist die Wiederbelebung eine bedeutende Maßnahme.
In den letzten Jahren haben sich weltweit Wissenschaftler darum bemüht, den Stand der Erkenntnisse zu erheben, zu vergleichen und daraus möglichst einvernehmlich zu empfehlende Vorgaben zu erarbeiten. Immer wieder
kam und kommt es daher zu "neuen" Empfehlungen zur Reanimation. Dabei werden Details sowohl unter notfallmedizinischen wie auch didaktischen (erwachsenenbildnerischen bzw. pädagogischen) Gesichtspunkten
überprüft und ggf. jeweils neu beschrieben.
Für den potentiellen Anwender ist der jeweils letzte Stand das Maß der Dinge, um das Ausmaß eventueller Veränderungen einzuschätzen.
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Weltweiter Standard?
Im August 2000 wurden zeitgleich textidentisch in USA (AHA) und Europa (ERC) "Guidelines 2000 for Cardiopulmonary Resuscitation ..."
veröffentlicht. Sie stellen einen erstmals weltweiten "International Consensus on Science" (Untertitel) dar. Konsens ist ein "einvernehmliches Ergebnis", das durchaus von mehrheitlichen Meinungen
geprägt sein kann, was wiederum bedeutet, dass mehrere Meinungen richtig sein können, man sich im Ergebnis jedoch (meist) auf eine Aussage verständigt hat. Die internationalen "Guidelines 2000 ..." sind
seit Erscheinen in vielen Ländern Diskussionsgrundlage zur Anpassung der jeweiligen Empfehlungen.
Im November 2005 wurden - wie vereinbart nach jeweils fünf Jahren - erneut geänderte Enmpfehlungen publiziert. Die Entwicklung verläuft derzeit ähnlich wie vor fünf Jahren. Bis zu
endgültigen Ergebnissen wird auf dieser Seite zunächst noch der Diskussionsstand nach der Veröffentlich neuer empfehlungen im Jahr 2000 dargestellt.
Entwicklung in Europa
Eine gekürzte Version der "Guidelines 2000 ..." hat das europäischen Fachgremium European Resuscitation Council (ERC) unter als "Resuscitation Guidelines 2000" im März 2001 veröffentlicht. Hierbei wurden die ursprünglichen Ausführungen in einzelne Kapitel für verschiedene Zielgruppen (Erwachsene, Kinder, Neugeborene
sowie getrennt nach Basismaßnahmen und erweiterten Maßnahmen) aufgeteilt. Es fällt in der Vielfältigkeit Europas mit seinen unterschiedlichen Staaten, Sprachen und die Reanimation bzw. Notfallmedizin betreffenden
Erfahrungen nicht so leicht wie in den Vereinigten Staaten, Empfehlungen für einheitliche Standards umzusetzen. In den USA gibt es kaum übersetzungsbedingte Verständigungsprobleme ... neben anderen anders gearteten
Voraussetzungen, die eine Übertragung von Verfahrensempfehlungen auf Europa nicht unbedingt in allen Punkten angezeigt sein lassen. Von der europäischen “Guidelines” wird ab Februar 2002 eine
“autorisierte Übersetzung” in verschiedenen deutschen Fachzeitschriften, z. B. NOTFALL & RETTUNGSMEDIZIN (Band 5, Heft 1, Februar 2002) veröffentlicht.
Entwicklung in Deutschland
Die zuletzt ausgesprochenen deutschen Empfehlungen wurden im Buch "Reanimation", 3. Auflage 2004 - (Deutscher Ärzteverlag) veröffentlicht und
spiegeln den einvernehmlichen Diskussionsstand in Deutschland wieder.
Umsetzung neuer Empfehlungen zur Reanimation
Neben der inhaltlich-fachlichen Auseinandersetzung mit einzelnen Detailfragen kann allgemein festgestellt werden, das die zur Änderung anstehenden Details der neuen Empfehlungen zur Reanimation vorrangig nicht dazu
geeignet sind, schlagartig mehr Menschenleben zu retten. Dennoch besteht die Hoffnung, dass mit zunehmender Akzeptanz und nach Anpassung konsequenter und wirkungsvoller geholfen wird.
Die internationale Zielsetzung ist eindeutig. Alles spricht dafür, diesen Prozess zu unterstützen.
Die Hilfsorganisationen in Deutschland und der "Deutsche Beirat für Erste Hilfe und Wiederbelebung bei der Bundesärztekammer" haben Ende 2002 einen aktualisierten Deutschen Konsens [86 KB] erarbeitet. Mit den neuen
Empfehlungen zur Reanimation wird ein weiterer Beitrag zur weltweiten Annäherung an den internationalen wissenschaftlichen Kenntnisstand geleistet.
Damit werden die überzeugenden und auf die Verhältnisse in Deutschland (gemeint ist hier das deutsche Rettungssystem) übertragbaren Erkenntnisse übernommen und in die Algorithmen eingearbeitet.
Umstellung auf die neue Empfehlungen
Es ist für die potentiellen Patienten nicht von Nachteil, wenn noch nach den zuletzt gegebenen Empfehlungen verfahren wird.
Selbst für Erste-Hilfe-Lehrgänge gilt zunächst noch: Die bisherigen Lehraussagen werden für die Laien durch die in der Ausbildung eingesetzten Unterlagen
eindrucksvoll belegt und liegen in den lehrgangsbegleitenden Lehrbüchern Schwarz auf Weiß vor. Sie sind daher im Unterricht überzeugungsstärker als
Versuche, durch Erläuterungen und Änderungen Gegenteiliges zu bewirken. Es besteht eher die Gefahr, die Hilfeleistungsbereitschaft des Einzelnen durch Verunsicherung zu gefährden.
In Deutschland ist die Hilfsbereitschaft durch Laien leider nur schwach ausgeprägt. Ungeachtet neuer Erkentnisse ist eine Diskussion über eine vermeintliche
"bessere erste Hilfe" solange kontraproduktiv, bis eine Anpassung der jeweils eingesetzten Lern- und Lehrmittel vollzogen ist. Bis auf Weiteres werden daher
auch noch Empfehlungen nach “vorletzten Stand” (1999) gegeben werden können.
Publikationsvielfalt = Meinungsvielfalt?
Ausgehend von der englisch sprachigen Erstpublikation der “Guidelines” werden immer mehrere Publikationen auf den Markt gebracht, die sich jeweils mal mehr
oder mal weniger deutlich auf die Ursprungsquelle berufen, daneben jedoch auch eigene Entwicklungen aus verschiedenen Interessen einbeziehen.
Es sei daher an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es mindestens drei Beratungs- und Entscheidungsebenen gibt:
- International (ILCOR) - Europa (ERC) - Deutschland (Deutscher Beirat für Erste Hilfe und Wiederbelebung
bei der Bundesärztekammer)
Viele Veröffentlichungen versuchen, alle Zielgruppen zu bedienen. Dabei sind es Feinheiten, die bei Nichtbeachtung der Unterschiede zu unnötigen Diskussionen
führen. Beim Lesen, Verarbeiten und Umsetzen der in Teilen geänderten Empfehlungen zur Reanimation, die neuerdings auch als “Leitlinien” klassifiziert
werden, muss jeweils sehr genau und ggf. im Detail unterschieden werden, was dabei von Laien erwartet und diesen empfohlen/gelehrt werden soll und was den
im Sanitäts- oder Rettungsdienst eingebundenen weitergehend fachlich geschulten Helfer betrifft.
Weitere Informationsquellen zum Thema:
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